Reisebericht über die Fahrt nach Dobersdorf in Oberschlesien, Polen vom 29. August bis 1. September 2014

Am Freitag morgen um 4 Uhr startete  eine Reisegruppe mit  28 Personen der Gemeinde Dobrsdorf unter Leitung von Bürgermeisterin Gabriele Kalinka zur Partnergemeinde Dobersdorf in Polen. Es war bereits, die vierte Fahrt, die díe Gemeinde in den 10 Jahren des Bestehens dieses Kontaktes durchführte.

Nach einer knapp 12 stündigen Fahrt, die uns über Berlin, Görlitz, Breslau, Oppeln zu unserem Hotel in Krapkowice (Krappitz) führte, erwartete uns dort die Bürgermeisterin aus Dobersdorf, Krista Linek, mit einem großen Sonnenblunenstrauß als Willkommensgruß.

Gleich nach dem Beziehen unserer Hotelzimmer sind wir nach Brozec weitergefahren, wo uns im Restaurant Bavaria ein reichhaltiges Abendessen mit vielen schlesischen Leckereien erwartete. Auch der Vorsitzende der deutschen Minderheit und einige Frauen waren gekommen.

Gegen 21 Uhr fuhren wir in unser Hotel zurück. Viele Teilnehmer beendeten den Tag dort  gemütlich bei einem Umtrunk und zeigten sich berührt von der immer wieder beeindruckenden Gastfreundschaft.

Am nächsten Morgen starteten wir nach dem Frühstück zu einem Ausflug nach Krakau, ca. 155 km von Dobersdorf entfernt. Die Stadt wird auch das "Florenz des Nordens" genannt. Bei warmen und sonnige Sommerwetter erreichten wir die Stadt gegen 11 Uhr und wurden schon von unserer Stadtführerin an der Weichsel erwartet.

Krakau hat uns alle außerordentlich beeindruckt. Im Jahre 2000 war sie Kulturhauptstadt Europas und im Mittelalter die Hauptstadt Polens. Sie ist im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont geblieben und konnte sich ihr
historisches Stadtbild sowie zahlreiche original erhaltene Baudenkmäler erhalten.

Auf dem Wawel (Burg) befinden sich das Königsschloss und die Kathedrale, wo der spätere polnische Papst Johannes Paul II. als Bischof von Krakau residierte. Viele Häuser und Bilder erinnern in der Stadt an sein früheres Wirken. Hier sind alle polnischen Könige und bedeutende polnische Persönlichkeiten beigesetzt.

Unweit der Burg befindet sich die Altstadt mit dem größten mittelalterlichen Markt Europas, den Tuchhallen sowie die Marienkirche.

Bei einer zweieinhalbstündigen Stadtführung erhielten wir viele informationen über das frühere und heutige Leben in Krakau. Danach blieb noch Zeit für eigene Erkundundungen. Viele verweilten auf dem schönen Marktplatz, wo ein reges Leben  herrscht und viele Gaukler, Musiker und prunkvolle Kutschen, die durch die Stadt fuhren, eine heitere, fast südländische Atmosphäre ausstrahlten.

Gegen 16 Uhr traten wir die Rückfahrt an und wurden schon von unseren Gastgebern zum, wie immer, reichhaltigen Abendessen erwartet.

Am Abend fand im großen Festzelt in Dobersdorf ein geselliger Abend mit Musik und Tanz statt, der musikalisch von einem jungen Ehepaar aus der Region begleitet war.

Am nächsten Morgen machten wir mit Krista Linek eine Fahrt durch Oberschlesien und besuchten auch den Ort Oberglogau, der auch "Klein-Berlin" gennnt wird, weil dort auch heute noch viele Einwohner Deutsch sprechen. Wir sahen das prunkvolle alte Schloss, dass vom Verfall bedroht war, aber jetzt seit einigen Monaten wieder restauriert wird und schon ein neues Dach erhalten hatte und besichtigten die prunkvolle Stadtkirche. Auch ein Abstecher zum Sportplatz, wo die erfolgreiche Mädchenmannschaft ein Spiel hatte, die auch schon bei uns zu Gast war, gehörte zu unserem Programm. Dort wurden wir mit einem reichhaltigen Kuchenbuffet bewirtet.

Bei der Fahrt durch die oberschlesichen Dörfer waren wir sehr beeindruckt von den gepflegten Häusern, den schönen Gärten mit vielen blühenden Blumen und der von Landwirtschaft geprägten Landschaft.

Leider haben in den letzten Wochen starke Regenfälle die Region stark betroffen und so große Teile der Ernte zunichte gemacht.

Nach Rückkehr zu unseren Gastgebern durfte auch ein Bild unserer Reisegruppe vor dem Ortsschild Dobersdorf nicht fehlen als Erinnerung an unsere erlebnisreiche Fahrt.

Seit 2009 dürfen Orte in Polen, das polnische Parlament hatte einen entsprechenden Beschluss gefasst, die einen Anteil von mindestens 20% deutschstämmiger Einwohnern haben, ihren  Ortsnamen sowohl in polnischer als auch in deutscher Sprache führen - so wie auch in Dobiescowice/ Dobersdorf.

Nach dem Mittagessen fuhren wir am Nachmittag wieder ins Festzelt nach Dobersdorf und wurden dort schon von den Bürgermeistern, dem  Amtsleiter und Landtagsabgeordeten von Oppeln erwartet.

Nach mehreren Ansprachen, in denen die Freude über unseren Besuch zum Ausdruck gebracht wurde und dem Austausch von Gastgeschenken erlebten wir ein umfangreiches Musikprogramm mit vielen Darbietungen, einer Kindertanzgruppe, eines Chores und mehrerer Musikgruppen.

Am Abend hieß es wieder Abschied nehmen. Nach Rückkehr in unser Hotel haben wir alle in geselliger Runde den Abend bei Piwo (Bier) und anderen Getränken ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen traten wir nach dem Frühstück um 9 Uhr die Heimreise an. Krista Linek  kam zur Abfahrt nochmals zu unserem Hotel und brachte als Reiseproviant eine große Platte schlesischer Kuchen mit, damit wir auf der Rückfahrt bestens versorgt waren. Herzlich war der Abschied in Oberschlesien und alle Teilnehmer der Reise waren sich sicher, dass es ein Wiedersehen in Dobersdorf geben wird!

Der 1. September, der Tag unserer Rückkehr, war aber auch ein historisch denkwürdiger Tag. Vor 75 Jahren hat Deutschland am 1. September 1939 Polen überfallen. Dass wir 75 Jahre später freundschaftliche Kontakte nach Dobersdorf in Polen unterhalten, ist auch ein kleiner Beitrag zur Verständigung in Europa. Daran erinnerten wir uns vor unserer Heimfahrt beim Abschied.

Gegen 21.30 Uhr waren wir in unserem Dobersdorf wieder eingetroffen. Am Ehrenmal in Tökendorf legten wir den schönen Sonnenblumenstrauß am Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer des 2. Weltkrieges nieder, den wir bei der Ankunft in Polen von Krista Linek erhalten hatten, mit dem Wunsch, dass die deutsch-polnische Freundschaft bestehen bleibe und es nie wieder einen Krieg in Europa geben möge. Eine Hoffnung, die durch die Lage in der Ukraine, der östliche Nachbar von Polen, nicht zerstört werden möge.

 
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