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02.11.2017 09:18 Alter: 20 Tag(e)
Kategorie: Presse
Von: Silke Rönnau

Die neue Glocke ist schon 56 Jahre alt

Dobersdorfer wollen sie selbst aus Westfalen abholen und müssen noch einen Turm bauen


Diese Glocke soll am 11. November mit einem Pritschenwagen nach Dobersdorf gebracht werden.

Pastor Martin Anderson (links), Bürgermeisterin Gabriele Kalinka und Finanzausschussvorsitzender Rolf Stoltenberg freuen sich auf die Glocke, die bald in der Gemeinde Dobersdorf läuten soll. - Fotos: Privat/Silke Rönnau

Kieler Nachrichten - Ostholsteiner Zeitung vom 02.11.2017

DOBERSDORF. Eine neue Ära wird in der Gemeinde Dobersdorf eingeläutet. Es gibt dort weder eine Kirche noch eine Kapelle - trotzdem wird eine Glocke angeschafft. Für das 175 Kilogramm schwere und 56 Jahre alte Bronzemodell muss noch ein Turm gebaut werden.

Die einzelnen Ortsteile der Gemeinde werden von verschiedenen Kirchengemeinden betreut: Dobersdorf und Tökendorf gehören zum Kirchspiel Schönkirchen. Lilienthal orientiert sich nach Preetz und Raisdorf, Jasdorf nach Selent, erzählt Bürgermeisterin Gabriele Kalinka. Gottesdienste mit Erntedankfest und Taufen werden in der Gemeinde gefeiert.· "Fehlt eigentlich nur noch eine Glocke", hatte Roll Stoltenberg, Vorsitzender des Finanzausschusses, beim Gottesdienst am Dobersdorfer See schon häufiger überlegt. Über die Jahre setzte sich der Gedanke in seinem Kopf immer mehr
fest. "Eigentlich hatte ich an ein kleines Glöckchen gedacht", erzählt er schmunzelnd.

Bei seinen Recherchen im Internet stieß er auf die Glocken-Börse. Wenn eine Kirche irgendwo in Deutschland entweiht werde, verkaufe sie die Glocken über diese Plattform, stellte er fest. So entdeckte er eine Bronzeglocke, die 1961 gegossen wurde und 56 Jahre lang in der evangelischen Friedenskirche der westfälischen Stadt Schloß-Holte-Stukenbrock hing. Dort wurde sie im Juli außer Dienst gestellt, da die Kirchengemeinde aufgrund großzügiger Spenden ein dreistimmiges Geläut erwerben konnte. Der Preis für die alte Glocke inklusive komplettem Zubehör betrug 4240,50 Euro.

Stoltenberg sprach das Thema in der Gemeinde an und nahm die Glocke zusammen mit der Bürgermeisterin und einem Glockensachverständigenden der Nordkirche in Augenschein. Die Gemeindevertretung reagierte positiv und stimmte in der jüngsten Sitzung einstimmig bei zwei Enthaltungen für die Anschaffung. "Unser Ziel ist, dass wir das weitgehend über Spenden finanzieren wollen", betont Gabriele Kalinka.

"Wir haben uns sehr gefreut über die Initiative und darüber, dass die Gemeindevertretung das mit so viel Energie unterstützt hat", erklärt Pastor Martin Anderson vom Kirchengemeinderat Schönkirchen. "Das hat mich sehr berührt." Man habe deshalb beschlossen, die Aktion mit 1000 Euro zu unterstützen. Außerdem will die Kirchengemeinde die jährliche Wartung der Glocke für zunächst zehn Jahre übernehmen. Auch die Heiligabend-Kollekte in der Marienkirche soll in das Projekt fließen. "Jetzt muss noch geklärt werden, wann die Glocke geläutet werden soll", verweist er auf eine notwendige Läuteordnung.

Gabriele Kalinka und Rolf Stoltenberg haben einen Rundbrief an alle Einwohner verschickt und um weitere Spenden gebeten. Das Gut Dobersdorf hat schon in Aussicht gestellt, das Holz für den Glockenturm zu stellen. Der Standort soll in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am 9. November beraten und beschlossen werden.

Am 11. November will eine kleine Abordnung mit einem Pritschenwagen nach Westfalen aufbrechen und die Glocke auf der Ladefläche nach Dobersdorf transportieren. Die Ankunft soll abends mit einem Umtrunk gefeiert werden, kündigt die Bürgermeisterin an. "Ubrigens hatten wir einen Konkurrenten", erzählt sie: Das Bistum Speyer wollte die Glocke ebenfalls haben für ihre Kapelle auf dem Friedhof, auf dem auch Helmut Kohl bestattet ist.


 
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